Unternehmensbewertung

Ich bewerte Unternehmen, die ich interessant finde bzw. die sich auf meine Watchlist befinden, nach unterschiedlichen Kriterien die ich selbst als wichtig empfinde. Hier möchte ich erwähnen, dass keine Strategie perfekt ist und jede Person die in ein Unternehmen investiert seine eigene Vorgehensweise, in welche Unternehmen investiert werden soll, erarbeiten muss. Ich kann nur einen Einblick darin geben, wie ich dabei vorgehe und wie ich Unternehmen finde in die ich investiere um sie meinem Passiven Einkommen Depot hinzufügen zu können.

Zuerst alle Kennzahlen aus Bilanzen der jeweiligen Unternehmen die ich für wichtig empfinde bzw. selber berechne:

Gewinn per Aktienanteil EPS (Earnings per Share)

EPS, Earnings per Share bzw. auf Deutsch Gewinn je Aktie, beschreibt wieviel Gewinn je Aktie erwirtschaftet wurde. Dabei wird der gesamte Gewinn des Aktienunternehmens durch die Anzahl aller Aktienanteile dividiert und berechnet wie hoch der Gewinn je Aktie ist. Diese Kennzahl ist sehr wichtig, da sie beschreibt ob ein Unternehmen Gewinn macht und ob langfristig Dividenden aus den erwirtschafteten Gewinnen bezahlt werden können. Es bringt nichts wenn Dividenden über neu aufgenommene Schulden gezahlt werden (außer kurzfristig). Langfristig muss eine Dividendenzahlung aus dem Gewinn bezahlt werden können.

Gewinnwachstum je Aktie

Diese Kennzahl beschreibt wie stark der Gewinn per Aktie von einem Jahr zum nächsten Jahr gewachsen ist. Wurde z.B. in einem Jahr 1€ Gewinn je Aktie erzielt und im nächsten Jahr 1,20€ je Aktie Gewinn erwirtschaftet dann wäre das in diesem Fall ein Gewinnwachstum von 20%. Das Gewinnwachstum kann auch berechnet werden indem man es auf mehrere Jahre hintereinander berechnet. So kann man sich das durchschnittliche Gewinnwachstum auf die letzten 5 Jahre oder auf die letzten 10 Jahre ansehen. Beispiel: Das Gewinnwachstum beträgt auf die letzten 10 Jahre jedes Jahr 5%, dann bedeutet das, dass im Schnitt der Gewinn jedes Jahr zum Folgejahr, in den letzten 10 Jahren, um 5% gesteigert worden konnte. Für ein passives Einkommen ist das Gewinnwachstum je Aktie interessant, weil das bedeutet, dass Dividenden von Jahr zu Jahr auch weiterhin ohne neue Schulden zu machen, ausgeschüttet werden können.

Dividende

Die Dividende ist der Teil des Gewinns, den eine Aktiengesellschaft an ihre Aktionäre ausschüttet. Die Höhe der Dividende wird vom Vorstand vorgeschlagen und von der Hauptversammlung mit einfacher Mehrheit beschlossen. Angegeben wird die Dividende meist in Währungseinheit pro Stück, also beispielsweise drei Euro pro Aktie.

Dividendenwachstum

Diese Kennzahl beschreibt wie stark eine Dividende von einem Jahr zum nächsten Jahr gewachsen ist. Wurde z.B. in einem Jahr 1€ Dividende je Aktie gezahlt und im nächsten Jahr 1,20€ je Aktie ausgeschüttet dann wäre das in diesem Fall ein Dividendenwachstum von 20%. Das Dividendenwachstum kann auch berechnet werden indem man es auf mehrere Jahre hintereinander berechnet. So kann man sich das durchschnittliche Dividendenwachstum auf die letzten 5 Jahre oder auf die letzten 10 Jahre ansehen. Beispiel: Das Dividendenwachstum beträgt auf die letzten 10 Jahre jedes Jahr 5%, dann bedeutet das, dass im Schnitt die Dividende jedes Jahr zum Folgejahr, in den letzten 10 Jahren, um 5% angehoben wurde. Das Dividendenwachstum ist auch eine sehr interessante Kennzahl, da damit eine Aussage getroffen werden kann, ob die Dividende in den letzten Jahren immer wieder gewachsen ist. Für Dividenden Aristokraten ist diese Kennzahl ein Muss, da diese ihre Dividenden z.B. in den letzten 25 Jahren noch nie gesenkt haben bzw. immer erhöht haben. Für ein passives Einkommen ist das Dividendenwachstum interessant, weil das bedeutet, dass die Ausschüttung von Jahr zu Jahr mehr wird, obwohl man nur einmal vor Jahren investiert hat.

Dividendenrendite

Die Dividendenrendite ist eine Kennzahl zur Bewertung von Aktien. Für ein passives Einkommen ist diese Kennzahl meiner Meinung nach die Bedeutendste um langfristig einen passiven Einkommensstrom erzeugen zu können. Die Dividendenrendite ist das Verhältnis der Dividende zum aktuellen Aktienkurs multipliziert mit 100. Für mich ist die Dividendenrendite interessant, die ich auf meinen Einkaufskurs pro Stück Aktie bezogen, bekomme. Das ist das worauf es ankommt. Dabei sollte man sich nicht von hohen Dividendenrenditen blenden lassen. Sie sagt nämlich nichts darüber aus ob die Dividende aus Gewinnen oder aus neuen Schulden finanziert wird und wie profitabel das Aktienunternehmen geführt wird.

Dividendenrendite durchschnittlich über 3 Jahre, 5 Jahre, 10 Jahre, 20 Jahre und 30 Jahre

Hier berechne ich die durchschnittliche Dividendenrendite über unterschiedliche Zeiträume und sehe mir an wie sich die durchschnittliche Dividendenrendite dementsprechend entwickelt hat.

Wurde eine Dividende in einer Krise ausgezahlt

Ich sehe mir immer an, ob eine Dividende auch in Krisenzeiten ausgeschüttet worden ist. Hier sehe ich mir z.B. die Jahre der Dotcom Blase, der Finanzkrise, des Fukushima-Atomkraftwerksunfall, Flüchtlingskrise in Europa und den Handelskrieg von USA mit China an. Wurde auch in diesen Zeiten eine Dividende (am Besten ohne neue Schulden zu machen) gezahlt ist das für mich ein guter Indikator, dass dieses Unternehmen auch in den nächsten Krisen, die sicher kommen werden, auch weiter eine Dividende zahlen wird. Welche Dividendenrendite in Krisen bei fallenden Kursen bezahlt wurde sehe ich mir hier auch an.

Payout Ratio

Ist die nächste wichtige Kennzahl, da man mit dieser bewerten kann ob die angegebene Dividendenrendite auch langfristig gehalten werden kann. Die Payout Ratio gibt das Verhältnis zwischen ausgeschütteter Dividende und dem Gewinn des Aktienunternehmens an. Sie wird berechnet, indem man die ausgezahlte Dividende je Aktienanteil durch den Gewinn je Aktie dividiert und mit 100 multipliziert. Wird z.B. 1€ Dividende pro Aktie bezahlt und das Unternehmen hat 2€ Gewinn je Aktie erwirtschaftet, ergibt das eine Payout Ratio von 50%. Es werden somit 50% des Gewinns als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet. Ich bin der Meinung, dass man eine niedrige Payout Ratio anstreben sollte. Damit meine ich eine Payout Ratio von 33%-60%, damit eine Dividende in gleicher Höhe, auch bei eventuell kleineren Gewinnen in Folgejahren, gewährleistet werden kann. Hat ein Unternehmen z.B. eine Payout Ratio von 90% oder sogar höher ist es nicht sicher ob auch in den Folgejahren die Dividende gleich hoch gehalten werden kann und dadurch verringert sich die Dividendenrendite auf meinen Einstiegskurs und das möchte ich natürlich nicht. Liegt die Payout Ratio über 100% bedeutet das, dass die Dividende nicht aus dem Gewinn bezahlt werden kann und z.B. zusätzliche Schulden aufgenommen werden müssen, damit man die Dividende ausschütten kann. Das ist nicht nachhaltig und sollte nicht zu oft vorkommen.

Anzahl an Dividendenauszahlungen in den letzten 20-30 Jahren

Hier sehe ich mir an wie oft eine Dividende ausgezahlt bzw. eine Dividende nicht ausgezahlt wurde in den letzten Jahren. Ein passives Einkommen Depot wobei einmal 3-4 Jahre hintereinander keine Dividende gezahlt wird ist nicht zielführend, wobei man hier auch überlegen muss ob sich nicht trotzdem eine Investition auszahlt. Ansehen sollte man sich die Anzahl der Ausschüttungen auf alle Fälle.

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder auch Price/Earnings (P/E) Ratio

Das KGV gibt an, wie viele Jahre es dauert, bis das Unternehmen den Wert seiner Aktien als Gewinn erwirtschaftet hat. Berechnet wird das KGV indem man den Kurs der Aktie durch den Gewinn je Aktie dividiert. Erwirtschaftet z.B. das Unternehmen einen Gewinn von 10€ pro Aktie und der Aktienkurs liegt zur Zeit bei 100€, ergibt sich ein KGV von 10. Würde das KGV über alle Jahre konstant bei 10 liegen, würde das bedeuten das in 10 Jahren soviel Gewinn erwirtschaftet wird wie das Unternehmen gerade wert ist.

Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) oder auch P/B Ratio

Das KBV gibt das Verhältnis vom Kurs einer Aktie zu ihrem anteiligen Buchwert (das heißt dem auf die Aktionäre entfallenden Eigenkapital je Aktie) an. Also bei einem Aktienkurs von 20€ und einem Buchwert von 30€ je Aktie ergibt das ein KBV von 0,66 (20€ durch 30€). Beim Value Investing Ansatz wäre eine Aktie umso preiswerter, je niedriger ihr KBV ist, und dass ihr fairer Wert in etwa dem Buchwert entspricht.

Eigenkapitalquote

Das Eigenkapital ist derjenige Teil des Kapitals eines Aktienunternehmens der sich bilanziell als positive Differenz aus Vermögen und Schulden zeigt, so dass das Eigenkapital dem Reinvermögen entspricht. Die Eigenkapitalquote wird berechnet indem man das Eigenkapital durch das Gesamtkapital (bzw. Bilanzsumme) des Aktienunternehmens dividiert.

Fremdkapitalquote bzw. Verschuldungsgrad

Im Gegenteil zur Eigenkapitalquote beschreibt die Fremdkapitalquote das prozentuale Verhältnis zwischen Fremdkapital und der Bilanzsumme (bzw. Gesamtkapital) des Aktienunternehmens.

Umsatz

Der Umsatz eines Aktienunternehmens beschreibt wie hoch der Umsatz insgesamt war. Der Umsatz berechnet sich aus allen Einnahmen die sich zum Beispiel aus dem Verkauf von einem Produkt oder Dienstleistung ergeben. Dabei werden noch keine Kosten etc. miteinbezogen. Daher sagt der Umsatz auch nichts über die Profitabilität eines Aktienunternehmens aus. Es kann z.B. sehr viel Umsatz aber trotzdem Verlust gemacht werden.

Umsatzwachstum

Das Umsatzwachstum beschreibt wie hoch der Umsatz im Vergleich zum vorherigen Abrechnungszeitraum ausgefallen ist.

EBIT Earnings Before Interests and Taxes (Operating Profit)

Das EBIT (auf Deutsch, Gewinn vor Zinsen und Steuern) ist eine Kennzahl, die den operativen Gewinn eines Unternehmens beschreibt. Hier wird das Ergebnis/Gewinn um Steuern und das Finanzergebnis bereinigt. Zinsen, Beteiligungsergebnisse, sonstige Finanzierungsaufwendungen oder –erträge sowie Steuern werden beim EBIT ignoriert, weil diese Positionen nicht während der eigentlichen betriebliche Tätigkeit entstanden sind.

EBIT-Marge (Verhältnis von EBIT zu Umsatz)

Die EBIT-Marge beschreibt das Verhältnis von EBIT zu dem Umsatz. Sie wird berechnet indem man das EBIT durch den Umsatz dividiert und mit 100 multipliziert. Über die EBIT-Marge kann man somit eine Aussage darüber treffen, wie hoch der Gewinn vor Zinsen und Steuern im Vergleich zu dem Umsatz ausgefallen ist. Umso höher die EBIT-Marge ist umso höher ist somit auch der erzielte Gewinn auf den gemachten Umsatz bezogen. Eine hohe EBIT-Marge ist daher vorteilhaft.

 

Neben den Kennzahlen sehe ich mir auch an, wie die folgenden Zukunftsaussichten des jeweiligen Unternehmens meiner Meinung nach aussehen:

Was wird überhaupt in dem Unternehmen produziert bzw. welche Dienstleistung wird angeboten?

Wird man die Produkte bzw. Dienstleistungen in den nächsten Jahren noch brauchen?

Ist das Unternehmen innovativ und kann es am Markt auch in Zukunft bestehen?

Wie sieht die Konkurrenz auf dem Markt aus?

Subjektive Meinung und Bauchgefühl ob ich eine Firma als würdig für eine Investition ansehe. Damit ist gemeint, dass ich z.B. nicht in die Rüstungsindustrie investiere obwohl ich hier eventuell sehr viel Geld verdienen könnte oder das ich z.B. in ein Unternehmen investiere, dass eventuell nicht soviel Geld abwirft, ich die Firma und/oder eine bestimmte Idee aber gut finde und daher trotzdem in das Unternehmen investiere. Daher kann es auch passieren, dass ich in ein Aktienunternehmen, dass eventuell nicht bei allen Kennzahlen meiner normalen Anlagestrategie entspricht und eigentlich als Kaufkandidat rausfliegen müsste, investiere.

 

Letztes Update: 16.03.2020

 

 

 

 

 

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